Hautalterung durch Sonne und Sonnenschäden – Tipps und Tricks für einen richtigen Sonnenschutz von Hautarzt Dr. Barbara Franz aus Wien

Die größte Gefahr in der Sonne ist selbstverständlich der Hautkrebs und da vor allem das maligne Melanomder schwarze Hautkrebs. Da gibt es gar nichts daran zu rütteln. Natürlich macht die Sonne auch andere Schäden – sie supprimiert schon nach kurzer Zeit unser Immunsystem, das heißt wir haben eine gewisse Immunschwäche, Stichwort Lippenherpes, wir können den Sonnenbrand bekommen und wir können foto-agen.

Das bedeutet die Haut altert einfach schneller unter den UV-Strahlen. Ganz allgemein unterliegen wir der intrinsischen und der extrinsischen Hautalterung. Das heißt einerseits altern wir nicht nur innerlich, sondern die Haut altert natürlich auch mit. Vorgegebener Weise, ist das vor allem genetisch, aber auch hormonell bedingt. Das können wir gar nicht so sehr verändern, das ist uns eigentlich mehr oder weniger vorprogrammiert.

Zu 80% aber können wir sowohl Einfluss darauf nehmen wie wir altern, was die Haut betrifft, und wie sehr wir diesen Alterungsprozess vielleicht ein bisschen hinausverzögern können. Ganz stoppen können wir ihn nicht. Es gibt sehr viele Tipps und Tricks was man machen kann, um dieses Foto-aging und die vorzeitige Hautalterung ein bisschen zu bremsen. 

Ist die Sonne wirklich so aggressiv?

Die Sonne sollte jetzt gerade im Sommer nicht als feindselig dargestellt werden. Die Messungen ergeben, dass die Sonnenaktivität per se nicht aggressiver geworden ist, obwohl das immer wieder in aller Munde ist, wie die Sonne heute aggressiver ist und wie die Sonnenstrahlungen gefährlicher sind- da würde ich sagen: nein. Was sich aber sicherlich unterschiedlich entwickelt hat seit den 80gen Jahren ist die Ozonschicht.

Forscher haben herausgefunden, dass sich die UV-Belastung (die schädlichen Strahlungen der Sonne) sich um 5% gesteigert hat, wobei die Werte jetzt stagnierend sind. Wir wissen wir haben die UVA und die UVB. Die UVB ist die Art Sonnenstrahlung die den Sonnenbrand und am Ende auch den Hautkrebs, das maligne Melanom macht (UVA auch aber erst doch nach viel höheren Dosen).

Trotzdem und das ist jetzt die konkrete Antwort – natürliche Sonne ist ganz gut, aber alles, wie im restlichen Leben mit Maß und Ziel genießen. Man kann sich in der Morgen- und Abendsonne ganz gut aufhalten, Sport betreiben und der beste Tipp was jetzt den Sonnenschutz ganz generell betrifft, ist sicherlich das Meiden und Kleiden. Das reimt sich, das ist immer gut zu merken. Das bedeutet die aggressiven Sonnenmittagsstunden sind von 11h oder 11.30h bis 15.30h- am liebsten überhaupt meiden und sich, wenn man doch in der Sonne draußen ist, richtig und entsprechend zu kleiden. Der konkrete Tipp ist, dass es für Kinder und Erwachsene schon richtige UV-Kleidung gibt, die man anziehen kann und die große Teile vom Körper bedecken kann.  Für ältere Menschen, Stichwort Mann mit Glatze, ist sicherlich ein Sonnenhut besser als jeder Sonnenschutz.

Wie sieht es denn mit Schatten aus? Schützt er unsere Haut?

Es gibt unterschiedliche Studien wie viel von der gefährlichen UV-Strahlung letztendlich auf uns im Schatten wirkt und es hängt natürlich auch immer von der Art des Schattens ab. Diese Studien sagen, dass zwischen 50-90% der UV-Strahlung trotzdem bei Schatten durchkommt. Deshalb sollte man sich im Schatten nicht in Sicherheit wähnen, denn das ist sehr trügerisch.

Genauso ist es, wenn eine Wolkendecke am Himmel ist, da kommt auch sehr viel Streustrahlung durch und oftmals auch intensiver durch die Teilchen in der Wolke- das reflektiert das Licht und die Sonnenstrahlung ist dadurch in keiner Weise ungebremst. Das heißt Sonnenschutz selbstverständlich auch im Schatten auftragen. 

Hat man im Wasser auch eine starke Strahlung auf die Haut?

Wasser ist doppelt trügerisch, weil man durch das Wasser auch den Sonnenschutz verliert und der angegebene Lichtschutzfaktor am Sonnenschutzfläschchen sozusagen verringert sich sehr schnell. Außerdem reflektiert das Wasser selbst die Strahlung wieder. Wenn das Wasser eine glatte Oberfläche hat, wirkt das fast wie ein Spiegel, das heißt wir haben hier eigentlich eine zweifache Gefährdung der Haut im oder am Wasser.

Ein T-Shirt im Wasser zu tragen bringt leider nicht viel, was hilft ist ein hoher Lichtschutzfaktor und oft Nachcremen– das ist vielfach noch nicht so bekannt. Ein hoher Lichtschutzfaktor am Sonnenschutzprodukt gibt einen hohen Schutz für die Haut.

Außerdem sollte man die Sonnenschutzprodukte in ausreichender Menge auftragen. Empfohlen werden 2ml pro Quadratzentimeter- damit kann man mal aber gar nichts anfangen. Im Grunde genommen erzähle ich meinen Patienten in der Ordination von der Regel des doppelten Einschmierens: wir schmieren das Gesicht und den Körper ein, so wie wir das gewohnt sind von der Menge und unmittelbar nachher wiederholen wir wieder diesen Vorgang und schmieren uns gleich noch ein zweites Mal ein. Dann erreichen wir erst annähernd den Lichtschutzfaktor der wirklich am Sonnenschutzprodukt vor uns steht.

Als Beispiel, wenn wir eine Sonnenschutzcreme haben mit einem Lichtschutzfaktor von 50 und wir uns ganz normal, wie es im Freibad gemacht wird, einschmieren dann erreichen wir praktisch einen Lichtschutzfaktor von 9 bis 10 und das ist für mich wirklich alarmierend, weil es nicht einmal die Hälfte ist. Warum ist es so? Weil mit abnehmender Menge der Lichtschutzfaktor logarithmisch abnimmt, das heißt er nimmt überproportional ab und mit einmal einschmieren haben wir nicht einmal die Hälfte, sondern weniger.

Deswegen meine Botschaft, nicht nur einen ausreichend hohen Lichtschutzfaktor verwenden, sondern auch ausreichend von der Menge anwenden.

Idealerweise sollte der Sonnenschutz 20-30 Minuten vorher aufgetragen werden, am besten noch Zuhause bevor man an dem Strandbad geht. Der Sonnenschutz braucht seine gewisse Einwirkzeit, um sich zu aktivieren.

Wie schützen wir die Kinder vor der Sonne?

Schutzkleidung vor der Sonne (Badeanzüge oder Badekostümchen) sind vor allem für die Kinder absolut empfehlenswert. Die ganz kleinen Kinder gehören nicht in die intensive Sonne. Ich würde sie auch gar nicht einschmieren bis zum 2. Lebensjahr, die Kinder sollen die aggressive Sonne meiden und entsprechend gekleidet werden mit diesen UV-Badeanzügen und Schutzkappen. Das ist die eine sehr gute und vor allem die sicherste Lösung.

Außerdem muss man noch zwischen dem physikalischen Sonnenschutz und dem chemischen Sonnenschutz unterscheiden. Die kleinen Kinder ab dem 2. Lebensjahr können schon sehr gut den physikalischen Sonnenschutz aufgetragen bekommen. Das sind nichts anderes als kleine Zink oder Titandioxid Spiegelchen die sich letztendlich auf der Haut auflegen.  

Der Vorteil aus dermatologischer Sicht ist, dass dieser Sonnenschutz völlig unbedenklich ist, denn entweder die Sonne noch die Creme geht in den Körper hinein.